Horcht! Das Geöffnete Ohr

Gott, der HERR, hat mir das Ohr aufgetan; und ich habe mich nicht widersetzt und bin nicht zurückgewichen. Jesaja 50:5
Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Lukas 10:39
Charles Spurgeon

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Charles Spurgeon

Zusammenfassung: Meine geliebten Freunde, die eigentliche Wurzel allen wahren Glaubens und dauerhaften Gehorsams ist die gesegnete Haltung des empfangenden Hörens, ein „geöffnetes Ohr“ für Gottes Stimme. Diese göttliche Gnade befähigt uns, Ihn zu hören und ohne Auflehnung zu gehorchen, genau wie unser glorreicher Herr Jesus es vollkommen vorgelebt hat. Lasst uns dieses beständige, demütige Hören pflegen, denn es rüstet uns aus, Leid zu ertragen, anderen zu dienen und unsere Seelen in Gottes ewigem Anteil zu verankern.

Meine geliebten Freunde, was ist die eigentliche Wurzel und Quelle jeglichen wahren Glaubens, jeglichen dauerhaften Gehorsams? Ist es nicht, so frage ich euch, die gesegnete Haltung des empfangenden Hörens? Von den alten Propheten bis zu den Lippen unseres Erlösers selbst ertönt die große, alte Wahrheit: Gottes Bundesvolk sind jene mit einem „geöffneten Ohr“ – eine göttliche Gabe, die uns befähigt, Seine Stimme zu hören und ihr ohne Widerspruch zu gehorchen. Dies, liebe Heilige, ist der goldene Faden, der sich durch die ganze Schrift zieht, eine zeitlose Wahrheit für jede Seele, die sich danach sehnt, dem Herrn zu folgen.

Schaut, ich bitte euch, auf den leidenden Knecht der Prophetie – niemand Geringerer als unser glorreicher Herr Jesus selbst! Sein Ohr wurde täglich vom souveränen Herrn geöffnet, nicht für ein beiläufiges Flüstern, sondern für eine tiefe Mitteilung geistlicher Erkenntnis und moralischer Bereitschaft. Er lernte zu hören mit der disziplinierten Aufmerksamkeit eines hingegebenen Schülers, indem Er Sein Angesicht fest wie einen Kieselstein auf Gottes Willen richtete, selbst bis zum Kreuz. Anders als ein rebellisches Volk, dessen Ohren verschlossen waren, ermöglichte Sein göttliches Ohr einen unerschütterlichen, nicht rebellischen Gehorsam, selbst inmitten des tiefsten Leidens und der größten Demütigung. Oh, was für eine Quelle der Beständigkeit diese Empfänglichkeit war!

Jahrhunderte später erblicken wir Maria von Bethanien, eine leuchtende Widerspiegelung eben dieses Musters. Sie wählte die gesegnete Position zu Füßen Jesu und sog Seine Worte unaufhörlich in sich auf. Dies war keine bloße Nettigkeit, sondern ein feierlicher Akt formaler Jüngerschaft, eine radikale Erklärung der Jüngerschaft in demütiger Unterwerfung unter ihren autoritativen Lehrer. Während Martha mit guten Absichten geschäftig war, wurde ihr Dienst, losgelöst von jener vitalen Gemeinschaft, zu einem verstrickten Knäuel der Sorge. Maria verstand das „eine Notwendige“: dass unser Tun für Gott stets aus unserem Hören auf Gott fließen muss. Unser aktiver Dienst, wie tugendhaft er auch sein mag, wird schnell versiegen, meine Freunde, wenn er nicht täglich am Quell des lebendigen Wortes des Meisters erneuert wird.

So lasst uns, Geliebte, die vollkommene Fügsamkeit unseres Erlösers gegenüber dem Vater spiegeln, jetzt auf Jesus, das inkarnierte Wort, ausgerichtet. Die geistliche Gnade eines geöffneten Ohrs, einst das Kennzeichen des Knechtes, findet ihren lebendigen Ausdruck in uns, wenn wir demütig sitzen und die Stimme unseres Meisters unaufhörlich in uns aufnehmen. Dies ist weder menschliches Streben noch ein belastendes Ritual, sondern eine freudige Hingabe an Gottes großzügige Gnade. Dieses beständige, demütige Hören rüstet uns aus, die stürmischen Meere des Lebens zu durchschiffen, Leid ohne Auflehnung zu ertragen und anderen mit einer Liebe und Kraft zu dienen, die nicht unsere eigene ist. Indem wir die Stimme des Meisters empfangen, erhalten wir einen ewigen Anteil, der uns, durch Gottes Gnade, niemals genommen werden kann. Oh, lasst uns dieses geöffnete Ohr pflegen, denn dort finden wir den wahren Anker unserer Seele!

(Quelle: Eine moderne Betrachtung, dem Stil von Charles Spurgeon nachempfunden)