Die Unsichtbaren Gewänder Des Königs: Unser Ruf Zur Barmherzigkeit

Der da Recht schafft dem Waislein und der Witwe und die Fremdlinge lieb hat, daß er ihnen Speise und Kleider gebe. Und auch ihr sollt die Fremdlinge lieben, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. 5. Mose 10:18-19
Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Matthäus 25:34-36
Charles Spurgeon

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Charles Spurgeon

Zusammenfassung: Meine lieben Geschwister, Gottes alter Ruf, die Verletzlichen zu schützen, wurde von unserem Herrn Jesus zutiefst vertieft. Er lehrt uns, dass Taten der Güte, die den Hungrigen, dem Fremden und den Gefangenen erwiesen werden, nicht nur gute Taten sind, sondern Taten, die direkt an Ihm vollzogen werden. Lasst uns daher Christus in jedem „Geringsten dieser“ sehen und Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zum Atem unseres Wandels machen, denn in diesem heiligen Dienst nehmen wir an Gottes fortwährendem Werk teil.

Meine lieben Geschwister, lasst uns innehalten und eine Wahrheit betrachten, die so alt ist wie der Bund, und doch so frisch und lebendig wie der Atem, den wir schöpfen. Von den frühesten Tagen an war Gottes eigenes Herz für die Verletzlichen in das Gewebe Seines Gesetzes eingeprägt. Er befahl Seinem Volk Israel, die Witwe, die Waise und den Fremdling zu schützen und zu umsorgen, nicht als bloßes Gebot, sondern mit einem tiefgreifenden Aufruf zur Erinnerung: „Ihr selbst wart Fremdlinge in Ägypten!“ War dies nicht eine göttliche Aufforderung, Empathie zu kultivieren, die Erinnerung an ihre eigene Befreiung in eine Quelle der Barmherzigkeit zu verwandeln für alle, denen Status oder Schutz fehlte?

Doch o, welch eine tiefe und herrliche Offenbarung schenkte uns unser gesegneter Herr Jesus! Er wiederholte dieses alte Gebot nicht nur; Er vertiefte es in einem erstaunlichen Maße. Als Er vom großen letzten Gericht sprach, erklärte Er mit atemberaubender Direktheit, dass Taten der Güte, die den Hungrigen, den Durstigen, dem Fremden, den Kranken, den Gefangenen erwiesen wurden, nicht nur gute Taten waren, die für andere vollbracht wurden, sondern Taten, die direkt an *Ihm* vollzogen wurden. Beachtet dies wohl, meine Freunde! Der leidende Fremde an eurem Tor, der trostlose Flüchtling, die müde Seele ohne Heim – dies sind nicht einfach Objekte unserer Nächstenliebe, sondern die Gegenwart selbst, die lebendige „Gestalt“ unseres wiederkehrenden Königs!

Dies ist nicht länger ein Ruf, einen fernen Gott bloß nachzuahmen, sondern eine heilige Einladung zur direkten Identifikation mit Ihm. Wir *verhalten uns* nicht bloß *wie* Gott; wir *dienen Gott selbst* aktiv in Seinen „Geringsten dieser.“ Regt sich euer Herz nicht bei solch einem Vorrecht? Es spricht nicht von einer lästigen Pflicht, sondern von einem spontanen Ausgießen der Liebe, Christus in jedem verletzlichen Gesicht, in jeder ausgestreckten Hand zu sehen. Die wahrhaft Gerechten, so lehrt unser Herr, „wussten nicht“, dass sie Ihm direkt dienten, denn ihre Barmherzigkeit floss aus einem Herzen, das gänzlich durch Seine Gnade verwandelt war, unberechnet, unverdient.

Darum lasst uns auf unsere zerbrochene Welt blicken, mit ihren Schreien der Vertreibung und Not, und uns fragen: Wie behandeln wir diejenigen, die die unsichtbaren Gewänder des Königs tragen? Denn in jedem „Geringsten dieser“ wird uns eine herrliche Gelegenheit geboten, unserem Befreier zu begegnen. Lasst Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zum Atem unseres Wandels werden, denn in diesem heiligen Dienst nehmen wir an Gottes fortwährendem Werk teil und offenbaren unsere grenzenlose Liebe für den König, der selbst keine Heimat kannte.

(Quelle: Eine moderne Betrachtung, dem Stil von Charles Spurgeon nachempfunden)