Der Weinende Heiland: Ein Ernster Ruf an Unsere Herzen

Freuet euch mit Jerusalem und frohlocket über sie, ihr alle, die ihr sie liebet; teilet nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt, Jesaja 66:10
Als er sich aber schon dem Abhang des Ölberges näherte, fing die ganze Menge der Jünger freudig an, Gott zu loben mit lauter Stimme wegen all der Taten, die sie gesehen hatten, Lukas 19:37
Charles Spurgeon

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Charles Spurgeon

Zusammenfassung: Unser Herr weinte, selbst inmitten triumphierender Rufe, nicht über Jerusalems irdische Not, sondern weil die Stadt tragischerweise die „Dinge, die zum Frieden dienen“, und die eigentliche „Zeit ihrer Heimsuchung“ verpasste – Seine Gegenwart, die Gnade anbot. Dies, liebe Freunde, ist ein eindringlicher Ruf an uns, unsere Herzen zu öffnen, damit wir nicht auch, flüchtigen Bequemlichkeiten nachjagend, den wahren Frieden Seines geistlichen Reiches vernachlässigen und den kostbaren Moment Seines Anklopfens verpassen.

Ach, liebe Freunde, welch eine Szene entfaltete sich auf dem Ölberg! Die Luft erfüllt von Hosiannas, Mäntel auf den Weg gestreut, und Jünger, deren Herzen brannten, riefen unseren Herrn zum König aus! Wahrlich, man könnte meinen, dies sei genau der Moment gewesen, in dem die alte Prophetie, wie eine aufbrechende Morgendämmerung, Jerusalem mit unbändiger Freude überfluten würde. Die Steine selbst, so verkündete unser Herr, würden Sein Lob rufen!

Doch siehe! In ebenjener Stunde, als der König der Herrlichkeit näherkam, fiel Sein Blick auf die geliebte Stadt. Und was folgte? Nicht ein weiterer Ausbruch der Freude, sondern ein tiefer, herzzerreißender Klagegesang! Unser Heiland, der Sohn Gottes, weinte! Nicht eine stille Träne, sondern ein innerer, schmerzlicher Aufschrei über Jerusalems bevorstehendes Verderben. Warum, Geliebte, diese Trauer inmitten solchen Triumphs? Ach, die Stadt hatte in ihrem eifrigen Streben nach irdischer Befreiung tragischerweise die „Dinge, die zum Frieden dienen,“ verpasst.

Hierin liegt eine Lektion, scharf wie ein Chirurgen-Skalpell, für unsere eigenen Seelen. Jerusalem erkannte die „Zeit seiner Heimsuchung“ nicht. Es verkannte die göttliche Gegenwart, die nicht Gnade, sondern Prüfung anbot, weil die Herzen verhärtet und von weltlicher Erwartung geblendet waren. Erkennen wir, so frage ich euch, meine Brüder, das sanfte Anklopfen der Gnade Gottes in unserem eigenen Leben? Jagen wir einem Frieden nach, der auf flüchtigen irdischen Bequemlichkeiten aufgebaut ist, während wir den wahren Frieden vernachlässigen, der aus Reue und einem zerknirschten Geist fließt?

Bedenkt das „Pathos Gottes“ – Sein Herz bricht, selbst während Sein souveräner Plan sich entfaltet. Oh, wie Er trauert über unsere Sturheit, unsere Weigerung, Sein geistliches Reich anzunehmen! Lasst uns nicht wie Jerusalem sein, das sich am äußeren Schein erfreut und doch den wahren Ruf des Königs verpasst. Lasst unsere Anbetung vom Herzen kommen, demütig und aufrichtig, zitternd vor Seinem Wort, nicht an leeren Ritualen oder unseren eigenen stolzen Einbildungen festhaltend.

Denn Seine Freude, ihr Lieben, findet sich nicht in einer vorübergehenden Parade, sondern im Erkennen und Annehmen Seines wahren Reiches. Lasst uns beten um Augen, die sehen, Herzen, die empfangen, und Willen, die gehorchen, damit wir niemals, niemals die kostbare „Zeit unserer Heimsuchung“ verpassen, sondern ewig jubeln im König, dessen Tränen eine Liebe ohne Maß offenbaren und dessen Friede allen Verstand übersteigt.

(Quelle: Eine moderne Betrachtung, dem Stil von Charles Spurgeon nachempfunden)